Lost Places

Papierfabrik Inden

– Die Engelsmühle –

Eher zufällig entdeckten wir sie, die alte Papierfabrik, während eines Spazierganges am Rande des Braunkohleabbaugebietes.
Wir beobachteten die gigantischen Schaufelradbagger, wie sie mühelos Meter um Meter Erdreich abtrugen. Winzig kommt man sich in der Gegenwart dieser Ungetüme vor. Zentimeter um Zentimeter wird das Landschaftsbild völlig verändert. Das hier einst Kinder spielten, Bauern ihre Felder pflügten, Menschen lebten, arbeiteten und schwatzten, lässt heute nur noch ein riesiger Krater erahnen. Sie mussten weichen, um unseren ständig wachsenden Stromverbrauch zu decken.

Wir fanden an diesem Tag die zerfallenen Fundamente ehemaliger Siedlungshäuser, eine Mauer, die sicher einmal einen hübschen Garten umschloss, sogar einen blühenden Rosenbusch, dessen Duft die Erinnerung an vergangene Zeiten wachrief… kleine Einfamilienhäuser mit gepflegten Gärten, Schulen, Geschäfte und auch Industrie.

Die Papierfabrik lag einige hundert Meter westlich des Abbaugebietes.
Sie setzte sich aus mehreren Gebäuden, die zu unterschiedlichen Zeiten entstanden sein mussten, zusammen.

Es war eine liebevolle Architektur. Die roten Ziegel, die gewölbten Fensterbögen, die vornehmen Verwaltungsgebäude, welche Geschichte mochten sie wohl erzählen und würden sie sie uns anvertrauen?

Einige Monate später versuchte ich es herauszufinden und besuchte die alte Fabrik wieder.
Stolz lag sie da, als könne ihr Wind und Wetter nichts anhaben, als wolle sie sagen: „Hier stehe ich, erhaben, alleine und verlassen, ich bin das Relikt einer Ära, die längst Vergangenheit ist. Meine besten Zeiten sind vorüber, kein Arbeiter wird je meine Hallen wieder betreten, keine Maschine mehr ihre Arbeit verrichten, doch ich will bleiben und euch an unsere gemeinsame Geschichte erinnern.

Und diese Geschichte begann bereits im Jahre 1537,  als hier an der Stelle der späteren Papierfabrik eine Farbmühle gestanden haben soll.
Die Besitzer der Fabrik wechselten häufig und bevor hier Papier hergestellt wurde, fand sie Verwendung als Ölmühle und als Holzschneidemühle.
Aus der Chronik des Geschichtsvereins Inden geht hervor, das manch ein Besitzer sich an der Fabrik übernommen hatte und in große finanzielle Schwierigkeiten geraten war.
Die „Engelsmühle“, wie sie später genannt wurde, wurde nach und nach erweitert und umgebaut. 1921/22 wird die Firma Henkel & Cie. GmbH, die bereits seit 1919 an der Fabrik beteiligt war, alleiniger Besitzer der ehemaligen Mühle.